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FAMILIENLEBEN MIT ADHS

Wenn ein Kind ADHS hat, steht oft die ganze Familie unter Strom. Doch das muss nicht sein. Feste Regeln, klare Abläufe und ein verständnisvolles Umfeld könnten helfen, die Situation zu entspannen.

Morgens beginnt der Stress oft vor dem Frühstück. Jonas, acht Jahre alt, sucht seinen Lieblingsstift, rennt im Kinderzimmer rum, obwohl er sich eigentlich anziehen und seine Schulsachen packen soll. Weil nichts klappt, wie es soll, steht die ganze Familie schon am Morgen unter Stress. Denn Jonas hat ADHS

Das äußert sich bei ihm durch starke Unruhe, schnelle Ablenkbarkeit und impulsives Verhalten. Auch in der Schule hat er deshalb Probleme: Er platzt in Gespräche, ruft Antworten in die Klasse, verliert Hefte und Jacken. Und daheim gehen die Herausforderungen weiter. Hausaufgaben ziehen sich, weil ein Vogel vor dem Fenster spannender ist als jedes Matheblatt. In der Schule gilt er als „anstrengend“, obwohl seine Lehrerin sieht, wie sehr er sich bemüht.

Für seine Familie ist Jonas‘ Verhalten kräftezehrend. Die Eltern schwanken zwischen Verständnis und Erschöpfung. Die kleine Schwester klagt, dass sich „alles nur um Jonas“ dreht. Abends fragen sich Mutter und Vater, ob sie zu streng waren – oder zu nachgiebig. Viele Familien kennen diesen Kreislauf aus Streit, schlechtem Gewissen und neuen Vorsätzen.

VERSTÄNDNIS IST WICHTIG

Woher kommt ADHS? Fachleute sehen vor allem neurobiologische Ursachen. Bestimmte Botenstoffe im Gehirn arbeiten bei ADHS-Betroffenen anders, häufig gibt es eine erbliche Veranlagung. Behandelt wird ADHS oft mit einer Kombination aus Aufklärung, Verhaltenstherapie, Unterstützung in der Schule und – bei einem Teil der Kinder – Medikamenten. Die Medikamente können Konzentration und Impulskontrolle verbessern, sie ersetzen aber nicht ein verständnisvolles Umfeld.Denn entscheidend ist, wie die Umwelt auf die Betroffenen reagiert. Kinder wie Jonas brauchen Erwachsene, die ihre Besonderheiten verstehen und nicht nur das „schwierige Verhalten“ sehen. Ständige Kritik verstärkt Stress und Selbstzweifel – und damit auch die Symptome. Eltern können also viel dazu beitragen, dass der Alltag entspannter wird.

Bei Jonas zum Beispiel helfen feste Abläufe während des Tages. Ein einfacher Plan mit Bildern im Flur zeigt, was am Morgen als Nächstes dran ist. Statt langer Vorträge gibt es von den Eltern kurze, klare Ansagen: „Erst Zähne, dann anziehen.“ Lob für kleine Fortschritte wirkt zudem stärker als Ärger über das, was wieder nicht geklappt hat. Außerdem planen Jonas‘ Eltern bewusst Pausen ein – zum Beispiel fünf Minuten Trampolinspringen im Hof, bevor er sich an die Hausaufgaben setzen muss.

SICH AUF STÄRKEN KONZENTRIEREN

Unterstützung von außen entlastet zusätzlich. Bei Jonas sind das: eine verständnisvolle Lehrerin, Ergotherapie, Elternberatung und eine Selbsthilfegruppe. Jonas erlebt so nicht nur, was er „falsch“ macht, sondern lernt auch seine Stärken zu sehen – seine Fantasie, seinen Humor, seine Hartnäckigkeit. Das macht ihn ruhiger und selbstbewusster. Und seine Eltern merken: Sie müssen nicht perfekt sein. Schon kleine Veränderungen im Alltag können dafür sorgen, dass in einer Familie mit ADHS mehr Platz ist für Nähe, Lachen und gemeinsame Erholung.

Dr. Julia Egleder

 

CHECKLISTE: WIE ELTERN DEN FAMILIENALLTAG ERLEICHTERN KÖNNEN

  • Klare, kurze Anweisungen statt langer Diskussionen.

  • Feste Routinen einführen.

  • Pausen in den Alltag einbauen.

  • Positives Verhalten sofort loben.

  • Konflikte entstressen: kurz aus der Situation gehen, später ruhig reden.

  • Hilfe annehmen: Therapie, Beratung, Austausch mit anderen Eltern.