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Hilfe bei Reizhusten

Brustenge, Reizhusten, Atemnot – auch Babys können schon an Asthma leiden. Die gute Nach- richt: Dank moderner Therapien können sie oft ein Leben ohne größere Einschränkungen führen.

Der kleine Marco ist gerade vier Wochen alt, als er erste Beschwerden hat. „Vor allem nachts bekam er kaum Luft und hustete manchmal so stark, dass er erbrach“, erinnert sich Lisa, seine Mutter an die Wochen nach der Geburt. Eine Bronchitis reihte sich dann an die nächste, erzählen seine Eltern weiter. Die Diagnose Asthma kam bei Marco aber erst mit drei Jah­ren. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem „Infektasthma“ auch ein allergisches geworden. Ein Prozess, der nicht ungewöhn­lich ist, wie Ärzte erklären. Infekte gehen bei Marco auch heute – er ist inzwischen vier Jahre alt – immer noch schnell auf die Lunge, vor allem aber setzen ihm Hundehaare und Katzenhaare, aber auch Hausstaubmilben sowie Gräser und Pollen erheblich zu. Ärzte wissen heute, dass eine Bronchitis häufig Vorbote von Asthma ist.

JEDES ZEHNTE KIND IST BETROFFEN

Der Fall von Marco ist ein typischer. Zehn Prozent aller Kin­ der leiden an einer chronischen Entzündung der Bronchien. Es ranken sich viele Vermutungen um die Krankheit, etwa, dass ein Kaiserschnitt bei der Geburt das Risiko erhöht. Hinweise darauf gibt es in der Tat, wirkliche Beweise aber nicht. Risikofaktoren sind aber, wenn die Mutter während der Schwangerschaft raucht oder beide Eltern nach der Geburt des Kindes rauchen. Auch Kinder mit sehr geringem Geburtsgewicht und solche, die nicht gestillt wurden, haben ein erhöhtes Risiko. In etwa siebzig Prozent aller Fälle bricht die Krankheit vor dem fünften Lebensjahr aus. Bei etwa dreißig Prozent, wie im Fall von Marco, schon vor dem ersten Geburtstag. Gerade in diesen Fällen sind die typischen Symptome trockener Husten, Atemnot und eine „pfeifende“ Atmung infolge von Infekten. In der Fachsprache nennen Ärzte das dann eine „chronisch obstruktive Bronchitis“. Die Diagnose ist für die meisten Eltern zunächst oft ein Schock: „Ich dachte an lebenslanges Leiden, an tägliche Einschränkungen“, so Marcos Mutter im Rück­ blick. Doch die Ärzte konnten sie schnell beruhigen und heute weiß Mutter Lisa aus ihrem Alltag zu berichten: „Im Grun­de lässt sich das heute sehr gut kontrollieren, wichtig ist, die Krankheit zu verstehen – und damit auch die Therapie“, so Lisa. So tut es Marco heute gut, wenn er sportlich aktiv ist. Auch hat er Übungen gelernt, die er bei Atemnot anwendet.

WAS KLEINKINDERN WIRKLICH HILFT

Die Behandlung hängt immer stark vom Schweregrad des Asthmas ab. Zunächst stellt der Arzt oder die Ärztin über einen Lungenfunktionstest fest, ob die Lunge richtig atmet. Viele Arztpraxen, die sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert haben, besitzen spezielle Software, die aus dem Test ein Spiel machen. Danach beginnt die Therapie. Wichtig zu wissen ist, dass Asthma durch die Medikamente nicht heilbar ist, aber behandelt werden kann. Die Medikamente ermöglichen den Betroffenen ein normales, uneingeschränktes Leben. Zwei Medikamentengruppen werden häufig benutzt – Reliever und Controller. Reliever sind Bedarfsmedikamente, die im Notfall eingesetzt werden. Die Wirkstoffe entspannen die verkrampften Bronchialmuskeln. Controller bekämpfen mit der Entzündung der Atemwege die Ursache für Asthma.

Der Patient oder die Patientin nimmt diese Medikamente dauerhaft ein. Speziell für Kleinkinder und Babys gibt es Inhalationsgeräte, die die Wirkstoffe in besonders kleiner Dosis – praktisch tröpfchenweise – abgeben. Die Anwendung dauert nur wenige Minuten. Zusätzlich setzen die Ärzte bei Asthma schleimlösende Mittel ein – meist Hustenlöser. Zudem werden oft auch Medikamente eingesetzt, die die Empfind­ lichkeit gegenüber bestimmten Allergenen reduzieren sollen. Denn bei der Behandlung einer chronischen Bronchitis gilt es vor allem, die Auslöser der Erkrankung auszuschalten oder zu behandeln. Und glücklicherweise sind die Therapieoptionen so breit gefächert, dass sich für jedes Baby und jedes Kind die individuell beste Lösung findet.

Christian Erhardt­Maciejewski